Mittwoch, 11. Oktober 2017

Coat of Plates Endstand


So, heute im Training haben wir's geschafft mal Bilder zu machen. Hier eben mit Blankwaffen. Leider ist mir die Ellbogen-Kachel etwas abhanden gekommen. Das ist etwas, was mich bei dieser ganzen "ich binde meine Rüstung mit Lederbändern an mein Polsterzeug"-Geschichte echt nervt. Reißende Lederbänder. Egal, enjoy!

Dienstag, 26. September 2017

Coat of Plates Teil 3


Jetzt hat's mich doch gepackt, hier der nächste Part!
So, nun zum flauschigen Teil. Bei meinem Lieblings-Stoffhändler in Bruchsal (Haelson) habe ich wunderschönen grünen Wollstoff für 6€/m bei 1,40m Stoffbreite gefunden. Das wird das Deckmaterial. Als Trägermaterial hat er mir versteiften Leinen gegeben. Wie versteift? Keine Ahnung, aber es ist ziemlich ziemlich ziiiiiemlich fest. 4€ den Meter, ebenfalls grün. Klasse. Den Schnitt habe ich ebenfalls an der Puppe abgenommen, auch hier wieder auf der Mittelline Brust/Rücken halbiert um eine Symmetrische Form zu bekommen.
Hier sollte man neben der Nahtzugabe noch ordentlich was obendrauf geben, da sich die Metallteile ja überlappen und sie somit den Umfang deutlich erhöhen. Bei mir haben 2cm leider nicht gereicht, ich habe daher einige Spangen nachträglich gekürzt.
Ich habe die beiden Stoffe verstürzt, also auf Links genäht (wichtig bei manchen Stoffen) und dann umgestülpt. Hat man hierbei Rundungen oder Ecken, wie am Halsauschnitt oder bei Zaddeln, muss man den Stoff einschneiden. Konkave Stellen: Gerader Schnitt zur Naht hin (Der Stoff müsste sich an dieser Stelle mehr dehnen als er kann, also entsteht Spannung -> Faltenwurf).  Bei Außen-Ecken sollte man die Spitze abschneiden, Bei Innen-Ecken eine Winkelhalbierende schneiden, dann kann man sie sauberer umstülpen.


Konvexe Stellen: V-Schnitte aneinander setzen (Der Stoff würde sich sonst stauen -> Ecken statt Rundungen).
Ergebnis:

Wieder was nettes von meiner Frau gelernt :)
Jetzt geht es darum, Metall und Stoff zu kombinieren. Dazu habe ich mir erstmal mit Schneiderkreide Mittellinien auf den Stoff eingezeichnet. Ebenfalls habe ich vor dem vernieten jeder Spange markiert, wo die untere Kante sitzen muss, wenn die Überlappung korrekt gesetzt ist.

Zum Nieten ist nicht viel zu sagen: Blechteil aufgelegt, Loch mit einer Ahle in den Stoff vorgestochen (um Himmels willen kein Loch stanzen/schneiden, sonst reißt der Stoff weiter). Nagel vorsichtig durch Stoff und Blech, Unterlegscheibe drauf (wegen Alu will ich die Last verteilen), mit ner ordentlichen Zange abgeknipst (viel Hebelwirkung, sonst sehr Anstrengend bei der Zahl von Nieten/Nägeln). 1-2 Schläge mit dem flachen Hammer von oben um den Schaft zu "setzen", dann mit dem Kugelhammer leichte Schläge auf die Kante des Nagelschaftes. Voila! Und immer ein Loch nach dem anderen.
Und nach 110 Nieten sieht das so aus:


Leider etwas unscharf... Aber ist halt so.
Das Rückenteil war erwartungsgemäß etwas aufwändiger:
Nichtsdestotrotz habe ich es geschafft den Rücken an einem Tag komplett zu vernieten. Mein Körper hat's mir natürlich gedankt. Ich denke vor allem das abpetzen der Nägel hat letztendlich 3 Tage vor Epic-Beginn noch zu einer leichten Sehnenscheiden-Entzündung geführt, welche aber durch konsequenten Ibu/Diclo-Einsatz bis Mittwoch Abend geheilt werden konnte (Phew!).
Abschließend gab's noch ein paar Leder-Riemen (zu dünn, muss ich nochmal machen) und Schnallen. Ich hatte überlegt, die Schnallen aus Nägeln selbst zu machen, habe dann aber gesehen, dass Zeughaus super schicke Rüstschnallen mit Beschlag-Blech für 1€ pro Stück (!) verkauft. Für das Geld mach selbst ich das nicht selber :D
So, da ich auf dem Epic meistens meinen Wappenrock getragen habe, gibt's leider noch keine schönen Action-Shots.
Ich hole das nächste Woche im Fecht-Training mal nach :)

Montag, 4. September 2017

Coat of Plates Teil 2

Nachtrag zum Folie-/Duct-Tape wickeln: Nachdem die Folie gewickelt war, haben wir zuerst einige senkrechte Streifen geklebt und zwar so weit, dass die Folie auch an den Beinen fixiert war. Sie rutscht sonst hoch und die Puppe wird zu kurz (wie beim ersten Versuch).
Als alle Teile aufgezeichnet waren habe ich die einzelnen Teile mit Seidenpapier (per Magnet an der Puppe befestigt) abgenommen und sie jeweils für die Überlappungen um 1,5cm in die entsprechende Richtung verlängert (Die Spangen also nach oben). Das Seidenpapier lag beim aufzeichnen doppelt, die Faltkante auf der Mittelline von Brust/Rücken. So bekommt man ein einigermaßen symmetrisches Ergebnis.

Alles ausgeschnitten, aufs Blech gelegt, angezeichnet. Wichtig: Alle Teile sauber beschriften, ggf sogar auf der späteren Außenseite die Teilenummer, Orientierung (wo ist oben) und R/L (also Körperseite) einritzen, da sich Permanentmarker schon ab und an mal abwischt (Öl von Werkzeugen ist des Permanentmarkers Tod!). Anschließend mit der elektrischen Blechschere (Makita JS 3200) ausgeschnitten. Die ersten Schnitte habe ich mit diesem Monster von Hand gemacht, aber nach spätestens 2 Spangen braucht man eine Pause. Mehr Fliehkraft als eine Winkelschleifer... Unterarm-Killer. In den Schraubstock eingespannt ist das jedoch ein Traum in Sachen Ergonomie und Präzision: Ich hoffe man kann das Video aufrufen...
Ansonsten gibt's hier noch ein Bildchen:


Zum Entgraten benutze ich einen Winkelschleifer (ebenfalls per Schraubstock fixiert) mit ziemlich abgenutzter Fächerscheibe und ehemals 120er Körnung. 2 Durchgänge: Ganz flach, Drehrichtung der Scheibe zur Kante hin: Der Grat stellt sich auf die Kante. Im zweiten Durchgang sehr Steil, kaum die Kante berühren, der Grat wird abgerissen. Man muss an ein paar Stellen sicher nochmal mit der Feile ran, aber angesichts der Kantenlänge die sich durch die vielen Einzelteile ergibt spart man sich eine Menge Zeit (Schnell geht's trotzdem nicht). Auch hier wieder in stiller Hoffnung auf ein abspielbares Video...

Als Niete verwende ich Dachpappstifte aus dem Baumarkt. Die, die ich bekommen habe, haben einen Kopfdurchmesser von ca. 10mm (-> im Vergleich zu normalen Nieten größere Auflagefläche auf dem Stoff, ergibt weniger Belastung!) und sollten einen Schaftdurchmesser von 2,8mm haben. Jetzt sind aber a) die Spitzen nicht sauber abgeschnitten (haben einen fetten Grat) und b) haben einige der Stifte lustige Rillen am Schaft (mag ja in anderem Kontext toll sein, hier nervts...). Also passten sie nicht sauber durch die 3mm Löcher die ich mit meiner "Edel 24" Handlochstanze gestanzt habe.

Also aufgebohrt auf 3,2mm... passt immer noch nicht. Aufgebohrt auf 3,3mm -> Flutscht! Entgraten wäre beim Stanzen kaum notwendig gewesen (die Stanze arbeitet auf der Stempelseite sehr sauber). Wenn man aber bohrt sollte man auf der Seite, wo später der Stoff ist die Löcher auf jeden Fall immer sauber entgraten -> Kegelsenker. Die Grate fressen sonst auf Dauer den Stoff, das gibt -1 auf Integrity pro Stunde Tragedauer :P

Beim Formen haben mir zwei Dinge massiv geholfen, die ich mir aus ein-und-demselben Teil gebaut habe. Ich hab auf dem Schrottplatz (oh ja, da bin ich gern!) eine alte Argon-Flasche für nen 10er bekommen. So ein 20L/200Bar Teil. Da habe ich Kopf und Boden abgeflext(vorher habe ich die ganze Flasche mit Wasser gefüllt um auch sicher jegliches Restgas zu entfernen. Wer weiß ob da als letztes wirklich ein Intertgas drin war ;) ).

Der Boden hat eine Schalenförmige Vertiefung, hervorragend zum Metall treiben. Hier noch in unpoliertem Zustand:

Der Kopf ist momentan zu nix zu gebrauchen, aber die Mitte ist toll um große radien (Spangen!) darüber zu biegen. Bei Alu geht das beinahe noch von Hand, aber mit sowas ists angenehmer.


Zusätzlich hatte ich mir von einem Kumpel einen Kugelförmigen Setzstöckel geliehen (www.schmiedeonline.com macht sowas auf Bestellung). Diesen habe ich benutzt um die Brustplatte zu "raisen" (kenne nur den englischen Fachbegriff).

Ein Stück Bahngleis kam zwischendurch auch zum Einsatz.

Damit die Belastung für den Stoff weiter reduziert wird (Die Nägel haben leider einen fiesen Grat auf der Unterseite des Kopfes), kommen Unterlegscheiben aus Leder unter den Nagelkopf. Hier kann man ein bisschen mit dem Design spielen. Ich habe mich für die Fleischseite eines dunkelrot durchgefärbten Leders entschieden um einen netten Kontrast zu meiner grünen Wolle zu bekommen. 12er Locheisen aus dem Baumarkt (ich musste nichtmal hauen, so scharf war das... Einfach aufsetzen und mit etwas Druck drehen), danach jeweils mit der Revolverlochzange mit ca. 2,5mm gelocht. Kann man prima beim Serien schauen machen. Insgesamt habe ich davon wohl so um die 250 Stück angefertigt.

Hier noch ein kleiner Teaser: Die Teile der Vorderseite probehalber mit Tape zusammengefügt. An dieser Stelle habe ich bemerkt: "Die letzte Spange lässte besser weg..."

So, ich bin jetzt für eine Woche außer Gefecht, danach geht's hier mit dem nächsten Teil weiter.

Freitag, 1. September 2017

Coat of Plates Teil 1

Mal wieder was neues für den Ottokar...
Leider musste ich mich von meinem Kettenhemd verabschieden(Skoliose + Morbus Scheuermann = kaputter Rücken).
Bisher hatte es meine Churburg-Segment-Brustplatte ergänzt, aber letztes Jahr auf dem Epic habe ich gemerkt, dass ich es unmöglich länger als 3 Stunden am Stück tragen kann.
Daher: Was anderes muss her. Adäquater Schutz bei leichtem Gewicht. Also muss ich wohl etwas schummeln. Norton Armouries wäre eine Option gewesen, aber mir zu teuer und ich will ja gefälligst basteln.
Zudem will ich mich zeitlich sowieso eher etwas genauer festlegen (also noch ein Punkt der gegen Norton spricht). Passend zu dem Splintenzeug wäre also ein früher Plattenrock im Stile von Otto von Orlamünde, Walther Bopfinger, Wilhelm von Bopfingen Rudolf von Hürnheim oder Rezzo von Bächlingen genau mein Ding. Grundsätzlich also dieser Stil:



Passend zu diesem Thema habe ich auch ein Pinterest-Album zusammengestellt, wer also mal stöbern mag:
Pinterest

Also ist ein bisschen Scavenging auf dem Schrottplatz angesagt gewesen und dort habe ich ca 4kg Alublech in 1,5mm gefunden. 9€. Unschlagbar günstig und deutlich mehr als nötig für dieses Projekt. Der Rücken freut sich :)
In einem ersten zwischendurch-Versuch habe ich probiert die Spangen/Lamellen hierfür aus Karton zu fertigen und schnell festgestellt: Die müssen, wenn sie flach auf dem Boden liegen eine gebogene Form haben.
Wie aber die richtige Form finden? In der United League of Armourers (Facebook Gruppe, sehr empfehlenswert) habe ich gesehen, wie die Amis immer Körperteile mit Resin-Verbänden abformen. Die sind hier aber schweineteuer.
Also: 1 Lage Frischhaltefolie + Ducttape. Zu beachten: Alles was Form gibt vorher anziehen! Vor allem was eine Taille macht. Das hatte ich nämlich nicht beachtet, deshalb konnte ich den ersten Versuch (Gambi über T-Shirt) glatt in die Tonne treten. Da wäre nämlich auch exakt das dabei rausgekommen: Tonnenform.



Also nochmal mit Wams und Lentner (Lendengurt zum befestigen der Beinteile) drunter:


Viel besser.
Bei der Formgebung habe ich mich wie gesagt auf die o.g. Herren gestützt. Leider sieht man da keinen Rücken und eines der wenigen zusammenhängenden Fundstücke  ist ziemlich unvollständig. Ich habe mich dann dazu entschieden, mich an der St. Georgs Statue von Prag zu orientieren. Ist leider eine ganz andere Zeit (ca +70 Jahre), aber man mag es mir verzeihen. Ich wollte vor allem diese ausgeklügelte Artikulation für die Schultern ausprobieren. Besonderheit vorne: Bei Walther und Rezzo kann man am Armausschnitt (evtl. mit etwas gutem Willen) ebenfalls ein Geschübe erkennen. Fand ich interessant, habe ich "kopiert".
Auf die entstandene Puppe wurden dann die entsprechenden Teile aufgezeichnet:

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Aventail 2.1 Endlich zufrieden


So, am Wochenende habe ich das Projekt Brünne endlich abgeschlossen und auch ein paar bessere Bilder geschossen. Hier erstmal das Brünnenleder in all seiner Pracht:
An der Seite der Gesichtsöffnung habe ich die Brünne mit einzelnen Drahtkrampen befestigt. Das Nähen ging mir echt  auf den Keks. Für die Sicherung an den Verveilles muss ich mir mal noch ein schönes dünnes Band suchen, dass durch die beiden Verveille-Typen, die ich jetzt am Helm verbaut habe hindurchpasst. Oder verdrillten Messingdraht, das wäre natürlich auch nice.

Und so sieht das nun von vorne aus. Die Brünne verdeckt nun den viel zu großen Gesichtsausschnitt und ist durch das Lederband auch straff gespannt. Und der anklebe-Bart (den spar ich mir noch bis zum Ritter) hängt über die Brünne drüber. Das hat mir Richtung Ende des Projekts nochmal einen ordentlichen Motivationsschub gebracht :D
Das Problem des Durchhängens am Kinn habe ich gelöst, indem ich die oberste Reihe enger zusammengefasst habe. Also im Prinzip eine weitere Reihe draufgesetzt, nur statt 2 in 1 habe ich 3 in 1 zusammengefasst.
Projekt Helm: Abgeschlossen!

Montag, 8. August 2016

Shiny Shoes and Asshole Aventail


So, der Winter ist rum, die Splinten sind fertig und das nächste Projekt ist auch schon mehr oder minder abgeschlossen. Gerade rechtzeitig zum Epic sind die Sabatons nun "tragbar". Noch nicht perfekt, da die Politur noch grob ist und die Schuhe noch keine durchgehenden "Grat" obenauf haben, aber tragbar.
Mehr oder minder war das sowieso nur ein Lern/Übungsprojekt. Die Schuhe sind aus DC1, also Tiefziehstahl. Wenn mir da jemand drauftappt sind die mit großer Wahrscheinlichkeit hinüber. Die nächsten werden dann härter....

Das zweite Projekt war, die Brünne an meinem Bascinet mal auf ein historisches Level hochzuziehen. Ich hab dafür zwei schicke Dreiecke geflochten und dabei geflucht wie ein Rohrspatz. Ich finde Sarwürken ist der reinste Brainfuck.
Nachdem ich eine (wie ich meinte) ausreichende Länge und Breite erreicht habe, hab ich erstmal das alte Brünnenleder abgetrennt, neue Kloben an den Helm genietet an die ein neues (punziertes) Brünnenleder angebracht wurde und dann die Kettenteile wieder angenäht.
Leider ist die Brünne vom Umfang her zu groß, aber das konnte ich in der kurzen Zeit nichtmehr korrigieren. Die Dreiecke waren leider auch zu schmal und zu kurz, sodass ich nach dem anbringen noch was angeflechtet hab. Mir geht nun aber endgültig die Zeit aus, daher muss es nun fürs Epic so reichen:


 
Crazy-Face-Ottokar
Und jetzt besser wieder Klappe zu...